Stell dir vor, du beißt in ein großes Stück Wassermelone – saftig, süß, erfrischend. Was du dabei kaum ahnst: In genau dieser Frucht steckt eine Verbindung, die Sportwissenschaftler, Ernährungsforscher und Gesundheitsinteressierte seit Jahren intensiv beschäftigt. Sie heißt L-Citrullin, und sie ist weit mehr als ein biochemischer Fachbegriff am Rand.
Der Name stammt übrigens direkt von der Wassermelone – auf Lateinisch Citrullus lanatus. Entdeckt wurde sie dort bereits im frühen 20. Jahrhundert. Seither hat sie sich in der Forschung rund um Durchblutung, körperliche Leistungsfähigkeit und Erholung einen festen Platz erarbeitet.
Nicht essenziell – und trotzdem bemerkenswert
L-Citrullin gehört zu den nicht-essenziellen Aminosäuren. Das bedeutet: Der Körper kann sie selbst herstellen, ohne dass du sie zwingend über die Nahrung aufnehmen musst. Klingt zunächst unspektakulär. Doch das Interessante liegt woanders.
L-Citrullin ist eine wichtige Verbindung im sogenannten Harnstoffzyklus – jenem biochemischen Prozess, über den der Körper Ammoniak abbaut. Ammoniak entsteht unter anderem beim Abbau von Proteinen und häuft sich bei intensiver körperlicher Belastung an. Zu viel davon führt zu Erschöpfung und verminderter Leistung. L-Citrullin hilft dabei, diesen Prozess stabil zu halten.
Noch interessanter wird es, wenn man den Weg der Aminosäure weiterverfolgt: Im Körper wird L-Citrullin zu L-Arginin umgewandelt – und L-Arginin ist Ausgangsstoff für die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO). Stickstoffmonoxid wiederum signalisiert den Blutgefäßen, sich zu entspannen und zu weiten. Die Folge: bessere Durchblutung, mehr Sauerstoff in den Muskeln, schnellere Nährstoffversorgung.
Warum L-Citrullin im Sport besonders diskutiert wird
Wer regelmäßig trainiert, kennt das Gefühl kurz vor dem Limit: Die Muskeln brennen, die Energie schwindet, die letzten Wiederholungen fühlen sich an wie Berggipfel. Genau hier setzt die Diskussion rund um L-Citrullin an.

Fachleute untersuchen seit einigen Jahren, ob eine gezielte Zufuhr von L-Citrullin – entweder über Lebensmittel oder als Nahrungsergänzung – die körperliche Ausdauer und Erholungsfähigkeit unterstützen kann. Die vorhandenen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Verbindung in Form von Citrullin-Malat (einer Kombination mit Äpfelsäure) besonders intensiv in Kraft- und Ausdauersportkreisen genutzt wird. Laut verschiedenen Branchenbeobachtungen gehört Citrullin-Malat zu den verbreiteten Bestandteilen in sogenannten Pre-Workout-Formulierungen.
Wichtig dabei: Die Wirksamkeit variiert je nach Person, Dosierung und Trainingskontext. Sportliche Leistungsverbesserungen sind kein garantiertes Ergebnis. Wer Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchte, sollte vorher ärztlichen Rat einholen – das gilt besonders bei bestehenden Erkrankungen oder der gleichzeitigen Einnahme anderer Mittel.
Was Wassermelone, Kürbiskerne und Hülsenfrüchte gemeinsam haben
Die gute Nachricht für alle, die es lieber natürlich mögen: L-Citrullin kommt in verschiedenen Lebensmitteln vor – wenn auch in unterschiedlichen Mengen.
- Wassermelone – mit Abstand die bekannteste und reichhaltigste natürliche Quelle, besonders in der weißen Rinde konzentriert
- Kürbiskerne – eine mögliche pflanzliche Ergänzungsquelle, wobei der L-Citrullin-Gehalt in der Fachliteratur weniger gut dokumentiert ist als bei Wassermelonen
- Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Linsen enthalten laut einigen Quellen ebenfalls L-Citrullin, wenngleich die Mengen im Vergleich zur Wassermelone gering sind
- Gurken und Melonen generell – als Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) teilen sie verwandte Inhaltsstoffe
Die Konzentration in Lebensmitteln ist deutlich geringer als in konzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln. Wer auf therapeutische oder leistungssteigernde Effekte abzielt, kommt über die Ernährung allein in der Regel nicht auf die in Studien untersuchten Mengen. Für eine gesunde Basisversorgung und als Teil einer ausgewogenen Ernährung sind diese Lebensmittel dennoch wertvoll.
Mehr als Sport: Was die Forschung sonst noch untersucht
Die Wirkkette über Stickstoffmonoxid macht L-Citrullin auch abseits von Fitnessstudios interessant. Forscher untersuchen unter anderem mögliche Zusammenhänge mit dem Blutdruck, der Gefäßgesundheit und der allgemeinen Kreislaufregulation.
Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine erhöhte NO-Verfügbarkeit mit moderaten Blutdrucksenkungen zusammenhängen kann – besonders bei Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck. Diese Ergebnisse sind interessant, aber noch kein Grund zur Selbstmedikation. Blutdruckprobleme gehören in ärztliche Hände.
Ebenfalls im Blickfeld der Forschung: die Erholungszeit nach körperlicher Belastung, das Wohlbefinden bei älteren Erwachsenen sowie mögliche Effekte auf die erektile Funktion beim Mann – da auch hier die Durchblutung eine zentrale Rolle spielt. Kein Ersatz für ärztlichen Rat, aber ein Hinweis darauf, wie breit die Schnittmenge zwischen dieser Aminosäure und menschlicher Physiologie ist.
Qualität und Auswahl: Worauf es beim Kauf ankommt
Wer sich für eine Supplementierung mit L-Citrullin interessiert, findet heute eine große Auswahl. Grundsätzlich lassen sich zwei Formen unterscheiden:
- Reines L-Citrullin – die unvermischte Aminosäure, meist in Pulver- oder Kapselform
- Citrullin-Malat – die Verbindung mit Äpfelsäure, die im Sport besonders verbreitet ist und nach aktuellem Forschungsstand gut untersucht gilt
Bei der Auswahl lohnt sich ein kritischer Blick: Qualitätssiegel wie z. B. Informed Sport oder eine unabhängige Laborprüfung geben Hinweise auf Reinheit und Zuverlässigkeit. Günstig bedeutet nicht automatisch schlecht – aber gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln zahlt sich Sorgfalt bei der Auswahl aus.
Übliche Dosierungen in Studien lagen häufig im Bereich von 3–8 Gramm täglich. Allerdings: Ohne individuelle Einschätzung sollte niemand einfach mit Höchstdosen starten. Im Zweifel lohnt ein Gespräch mit einer Ernährungsberaterin, einem Arzt oder einer Sportmedizinerin.
Eine Aminosäure – und ein größeres Bild
Was L-Citrullin so faszinierend macht, ist nicht unbedingt ein einzelner Effekt. Es ist der Blick dahinter: Eine auf den ersten Blick unscheinbare Frucht wie die Wassermelone trägt eine Verbindung in sich, die biochemische Kettenreaktionen auslöst – bis hin zur Entspannung von Gefäßwänden und einer verbesserten Sauerstoffversorgung.
Das ist kein Zufall der Natur, sondern ein Hinweis darauf, wie tief Pflanzeninhaltsstoffe in menschliche Physiologie eingreifen können – wenn man versteht, wie sie wirken.
Das nächste Mal, wenn du eine Wassermelone isst, weißt du: Du isst nicht nur Wasser und Zucker. Du nimmst dir etwas, das die Natur schon lange vor Sporternährungsmarken und Supplementindustrie in sich trägt. Ob du das weiterführen willst – durch bewusste Ernährung, durch Supplementierung oder einfach durch mehr Neugier auf das, was Pflanzen können – liegt bei dir.
Starte damit, die natürlichen Quellen in deinen Alltag zu integrieren. Eine Portion Wassermelone im Sommer, ein paar Kürbiskerne auf dem Salat – kleine Schritte, die auf Dauer einen Unterschied machen können. Und wer mehr will, findet in der Sporternährungs- und Ernährungsmedizin inzwischen fundierte Anlaufstellen für persönliche Empfehlungen.
Dieser Artikel stellt keine medizinische oder ernährungsmedizinische Beratung dar. Kein Ersatz für ärztlichen Rat. Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

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